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Letzte Änderung
20.05.2019, 07:57

Ausstellung Spurensuche VDK Saar

Die Ausstellung „Spurensuche“ des VDK Saar an der GemS Illingen macht Geschichte lebendig und sensibilisiert durch das Aufzeigen grausamer Unmenschlichkeit anhand von Einzelschicksalen, um den Wert friedvollen Miteinanders in unserer Welt wertzuschätzen und aktiv für Freiheitsrechte und Toleranz einzustehen.  

Wenn normalerweise der 2. Weltkrieg nach Lehrplan unterrichtet wird, steht bloße Faktenvermittlung im Vordergrund: Wie gestaltete sich die Ausgangslage des Krieges, was geschah in seiner Folge, welche nationalen und internationalen Folgen hatte er?   

Die ungefähr 60 Millionen Kriegsopfer, die vielleicht zur Sprache kommen, haben kein Gesicht, sie mahnen nicht! 

Die Zielsetzung der Schule, eine nachvollziehbare, nachempfindbare Vermittlung des zeitlich doch für die Schüler fernen Geschehens, konnte durch die Vorstellung der Rechercheergebnisse zu Einzelschicksalen saarländischer Kriegstoter des VDK Saar erfüllt werden.

Nachdem alle Schülerinnen und Schüler an den Tagen zuvor Zeit hatten, sich alleine und zusammen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern die Inhalte der im Foyer ausgestellten Plakatwände anzusehen und die Thematik im Fach Gesellschaftswissenschaften altersgemäß zu vertiefen, reiste am Mittwoch der Landesvorsitzende des VDK Saar, Werner Hillen, zusammen mit der Zeitzeugin Doris Deutsch an, um vor der 9. und 10. Klassenstufe detaillierter die Arbeit des VDK vorzustellen und die Ergebnisse der „Spurensuche“ vorzustellen.  

Der VDK, der sich der Unterhaltung der Gräber deutscher Soldaten zur Aufgabe gemacht hat, betreut mittlerweile fast 3 Millionen Gräber. Seit der Öffnung der Grenzen kommen immer mehr Funde toter Soldaten hinzu, die in den ehemaligen Ostblockstaaten fielen. Die Erhaltung dieser Soldatengräber mahnt die nachfolgenden Generationen, um ihnen die Grausamkeit und Sinnlosigkeit von Kriegen vor Augen zu führen.  Um „den“ Soldaten aus seiner Anonymität zu holen, begibt sich das Projekt „Spurensuche“ auf die persönliche Ebene der Geschichte des einzelnen Soldaten und seiner Familie. Diese Rechercheergebnisse sind von der Sozialgeschichte und Mentalitätsgeschichte her gesehen von hohem Wert und schufen emotionale Betroffenheit bei Schülern und Lehrern. 

Wie gut kannten die Nachfahren vom Soldaten Edmund Hein oder Michel Theis ihren Vater, der als Soldat lediglich zweimal im Jahr für maximal 16 Tage zuhause sein durfte? Wie war es, in Angst zu leben, ob der Vater oder Ehemann noch einmal heimkehrt oder gar schon gefallen ist? Wie sah es aus, das Leben nach dem Krieg, das Leben in Gewissheit, dass der Vater tot ist, das Leben in der Ungewissheit, ob er tot ist oder als vermisst gilt oder vielleicht nicht mehr weiß, wer er ist und wo sein Daheim ist, weil er im Frontgräuel sein Gedächtnis verloren hat?  

Frieden und Freiheit fördern durch eine aktive Erinnerungskultur, das ist auch das Ziel der Zeitzeugin Doris Deutsch, Witwe des ehemaligen KZ-Häftlings, Holocaust-Überlebenden und Friedensbotschafters Alex Deutsch. Die Achtzigjährige berichtete aus den Inhalten der vielen erhaltenen Feldpostbriefe ihres gegen Ende des Krieges an der Scheldemündung gefallenen Vaters Ernst Paul Kurz. Diese historischen Quellen geben Auskunft über die Lebensumstände im Feld und daheim. 

Auf verständliche Art berichtete Frau Deutsch über das Leben in der Diktatur des Dritten Reiches, die Sippenhaft, die Zensur der Feldpost, das Verbot ausländisches Radio zu hören, das karge Dasein der Familien, den Tauschhandel, die Kinderlandverschickung und die Bezugsscheine.

Auf einem der vielen Stellwände ist ein Zitat ihres verstorbenen Mannes, Alex Deutsch, zu lesen: „Lasst euch nicht hineintreiben in Hass und Gewalt gegen andere Menschen. Lernt miteinander zu leben – nicht gegeneinander!“ (Alex Deutsch)

Inhaltlich damit verzahnt, schlug der Vorsitzende Hillen zum Ende hin einen Bogen zur Gegenwart. „Ihr Schülerinnen und Schüler müsst eure Demokratie unterstützen, aktiv für sie einstehen, euch nicht zurücklehnen. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit! In Zeiten wachsenden Nationalismus auf internationaler Ebene droht die Gefahr von Krieg. Denkt immer daran: Diplomatie, Staatenzusammenarbeit sind Säulen des Friedens und den sollen wir wahren, damit sich das nicht wiederholt, wovon ihr hier gelernt habt.“

Die Gemeinschaftsschule bedankt sich bei dem Landesvorsitzenden des VDK, Herrn Hillen und der Zeitzeugin Doris Deutsch für die Ausstellung und Präsentation. Die neue VDK-Ausstellung zum Thema „Flucht und Vertreibung“ wird sicher ins Programm der Illinger Schule, deren Motto „Verantwortung und Freiheit“ ist, übernommen werden.

 

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